Es war einmal...

Die Holtener Schule kann auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken. Tatsächlich lässt sich im ältesten Stadtbuch Holtens eine Eintragung über die Ausgaben für den „Schulmeister“ aus dem Jahr 1525 finden. Damals bekam der Schulmeister nicht nur wenig Geld, er musste auch neben seiner Arbeit in der Schule die Aufgaben eines Küsters und eines Stadtschreibers übernehmen.

 

Hier ein kleiner Abriss über das Leben von Lehrern und Schülern in alten Zeiten und die Entwicklung bis zur heutigen Kastellschule

Die älteste Schule der Stadt Oberhausen ist zweifellos die Holtener Schule. Wenn gleich der Zeitpunkt ihrer Einrichtung nicht zu ermitteln sein wird, so kann man doch aus den spärlichen Nachrichten darüber schließen, daß schon in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts dort „Schule gehalten" wurde.

Im ältesten Stadtbuch Holtens wird zum ersten Male ein „Schulmeister" erwähnt. Darin befindet sich aus der Zeit um 1525 eine Aufzeichnung über Ausgaben der Stadt unter der Überschrift: „Dit nabeschreven Jargelt gefft die Stat van Holt". Hier wird neben der Dotierung zweier Vikarien aufgeführt: „Item man gefft den Scholmeister und Coster van datt Oirwerck tho waren und tho schreven weß die Stadt tho schreven hefft 1 gulden current 12 alb.

Aus der Eintragung geht ebenso hervor, daß der Lehrer verschiedene Dienste zu leisten hatte. Ihm oblagen neben dem „Schulehalten" auch noch als Küster die Wartung des Uhrwerkes der Kirche sowie die Aufgaben des Stadtschreibers.

Mit dem Beginn eines geregelten Unterrichts wurden auch die Bürger aktiviert. Um die Unterhaltung der Schule und die Besoldung des Lehrers zu sichern, bemühten sich immer wieder Begüterte, aus ihrem Vermögen etwas beizusteuern. Deshalb erfolgten eine Vielzahl von Schenkungen und Vermächtnissen zum Nutzen der Schule. Einige Beispiele mögen für viele stehen: „Item Cornelius Geselschop ist ihn den Herrn entschlagen und hefft den Armen allhie in die Scholl gegeben umb die arm Kinder darmitt tho lehren: Hauptsumme 25 Daller".

Die Aufgaben des Lehrers sind 1615 klar umrissen: „Die Jugend im Lesen, Schreiben und Rechnen zu instituieren nach bestem Vermögen, wie gleichfalls den Catechismus zu lernen und sonsten die Jugend im christlichen Gesange auf Sonntags und sonsten zum Begräbnis der Toten zu gebrauchen" Dem Lehrer ist verboten, auf „Hochzeiten oder anderen Gastmahlen zum Tanz fürzuspielen, und also zum Reiche des Satans die Leute anzuführen".

1669 wird Johann Richels Lehrer in Holten. Er unterrichtete 50 Jahre lang in der Stadt und starb 85jährig am 22. Oktober 1724. Während seiner Amtszeit wurde erstmalig der Versuch unternommen, auch den Armen Kinder zu ermöglichen.

Ein Visitationsbericht des Pfarrers Wesendonk vom Jahre 1742: "Die Mängel bei hiesiger Schule bestehen hauptsächlich darinnen, daß dieses Städtchen bekanntlich eines der ärmsten im ganzen clevischen Herzogthum ist, worin gantz und gar keine Passage, Handel und Wandel getrieben wird, dahero die Eltern armseligen Umständen halber necessieret werden, ihre Kinder in der Blüthe ihrer Jugend zum Wollspinnen anzusetzen, um vor denselben
wöchentlich das Brodt helfen zu verdienen, und also in deren gehörigen Alter nicht zur Schule beständig Beschicket werden können wodurch dann mehrenteils bey zunehmenden Alter und majorenter eine so große Unwissenheit entstehet, daß ein zeitlicher Prediger bey der gewöhnlichen Catechisation die größte Mühe bekommbt, ihnen die gehörige und nötige Haupt-wahrheiten der christlichen Religion beizubringen."

Als sich 1781 ein alte Lehrer „unter Nachlaßung der Hälfte seines Gehaltes an den neuen Schulmeister..." zur Ruhe setzen wollte, wurde erstmals ein ordentlicher Pensionsvertrag mit ihm geschlossen, um in aller Zukunft entstehenden „Irrungen und Streitigkeiten vorzukommen". Er erhält 60 Taler Ruhegehalt.

Bei der Aufnahme eines neuen Schülers wurde damals, da es eine deutsche Schule war, nur vorausgesetzt, daß er gut aussprechen kann. Die gewöhnlichen Aufmunterungsmittel und Strafen waren diese: "Wenn einer ein grobes Verbrechen begangen hat, so wird er nach Befinden dafür gezüchtiget. Ist das Verbrechen gering, oder hat jemand seine aufgegebene Lection nicht gut gelernet, so wird er in einer Ecke der Schule gestellt, zur Warnung der andern, es ist also die Strafe dem Verbrechen angemessen. Die fleißigen und gehorsamen Schüler werden besonders gelobet und zur ferneren Fortfahrung ihres Fleißes ermuntert".

 

Kleinkinderschule 1850

1843 wird das Kastell erworben und als Schulhaus mit Lehrerwohnung eingerichtet. Wurden bisher evangelische und katholische Kinder gemeinsam unterrichtet, so folgt nun eine Trennung und es gibt in Holten eine evangelische und eine katholische Schule. Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs die katholische Schule auf 4 Klassen an, und man dachte daran, ein eigenes Schulgebäude im „Gänsebruch" an der Flugstraße zu errichten. 1911 fand die Einweihung der „Bruchschule" statt, die über eine Heizungs- und Badeanlage verfügte.

Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges (1939) erfolgt eine Zusammenlegung der evangelischen Schloßschule und der katholischen Bruchschule im Gebäude der Schloßschule.

Ab 1968 gibt es in Holten die Hauptschule Holten für die Schuljahre 5 bis 10, diese Schule wurde im Jahr 1989 geschlossen. Heute besteht nur noch die Kastellschule als Gemeinschaftsgrundschule für Kinder vom 1. bis zum 4. Schuljahr.

Von 1968 bis 1977 leitete Rektorin Regine Segerath die Schule. Ihr folgten von 1978 – 1988 Rektor Hans Reymann und von 1989 – 1990 Hauptlehrerin Gisela Süselbeck. Seit 1990 leitet die Rektorin Anne Janßen die Kastellschule.


Ouellen: Karl Lange: 675 Jahre Holten u.a.